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Des Kaisers neue Krone

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Kaiser Heinrich II. bekommt eine neue Krone – auch wenn sie noch niemand gesehen hat. Anders als die neuen Kleider des Kaisers in Andersens Märchen existiert sie wirklich. Noch wandert sie allabendlich in den Tresor des Bamberger Gold- und Silberschmiedemeisters, Friedemann Gideon Haertl, der 2009 den ehrenvollen Auftrag bekam, eine Replik der Kaiserkrone zu fertigen. Am 14. Februar 2012 wird sie der Öffentlichkeit in einem großen Festakt vorgestellt.

Haertl, in Schmucksachen bekannt als überzeugter Purist, beweist damit, dass er nicht nur „modern“ kann. Seine Sorgfalt bereits in der Vorarbeit, das Wissen um das traditionelle Handwerk, die Erfahrung und der hohe Qualitätsanspruch überzeugte die Wittelsbacher Landesstiftung, die das Original der Heinrichskrone in der Schatzkammer der Münchner Residenz verwahrt.

Doch warum braucht ein längst verstorbener Kaiser eine neue Krone, wenn das Original noch existiert? Um dieses medial aufsehenerregende Projekt zu verstehen, muss man in die Geschichte eintauchen:

Heinrich II. aus dem Geschlecht der Ottonen, König des Ostfrankenreiches, König von Italien und römisch-deutscher Kaiser gründete 1007 das Bistum Bamberg und veranlasste den Bau des ersten Bamberger Doms. Am Geburtstag Heinrichs 1012 wurde der Dom eingeweiht. Im 13. Jahrhundert entstand die wertvolle Reliquienkrone des inzwischen heilig gesprochenen Herrschers, die fortan Teil des Bamberger Domschatzes war.

Im Zuge der Säkularisierung, die Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Eingliederung Frankens in das Königreich Bayern einherging, wurde der Bamberger Domschatz nach München verschleppt. Versuche der Franken, ihn zurückzuholen oder auch nur Teile davon auszuleihen, scheiterten stets. So fand die 1000-Jahrfeier des Bistums Bamberg 2007 ohne Krone statt.

Für das in diesem Jahr anstehende Jubiläum der Domweihe soll nun die neue Heinrichskrone vom alten Glanz der Kaiser- und Bischofsstadt Bamberg künden. Haertl, der nicht nur Schmuck und Tafelsilber kreiert, sondern auch über viel Erfahrung in der Herstellung und Restaurierung kirchlicher Objekte verfügt, wird der Krone in rund 2500 Arbeitsstunden das Gesicht verleihen, das sie zur Entstehungszeit hatte. – Keine Patina und keine nachgearbeiteten Reparaturen.

Um so einen Auftrag ausführen zu können bedarf es Können, Ausdauer und Leidenschaft. Das alles hat der 47-jährige Haertl, der seit 20 Jahren seine Gold- und Silberschmiede, die einer modernen Kunstkammer gleicht, im Herzen der Bamberger Altstadt betreibt.

Grundlage der neuen Krone war ein virtuelles Modell des Originals, das in einem aufwändigen 3D-Scan durch das Institut für Archäologie, Bauforschung und Denkmalpflege der Bamberger Universität entstanden war. Die sechs lilienförmigen Grundelemente der zerlegbaren Reisekrone bestehen aus 925er Sterling-Silber und wurden von Haertl per Hand ausgesägt und gewölbt.

Jedes Lilienblatt ist mit rund 100 stilisierten Eichenblättern verziert. Sie alle wurden individuell gefertigt und mit dem Mikroschweißgerät fixiert. Die Scharnierverbindungen der Lilien zieren Kugeln aus hauchdünnem gekordelten Filigrandraht. Umrankt werden die Kugeln, auf denen zierliche betende Engel stehen, von stilisierten Distelblättern.

Nach der Vergoldung des Silbermodells Ende November letzten Jahres wurden abschließend die Perlen und Steine gefasst: Smaragde, Amethysten, Achate, Aquamarine und Gemmen. Lediglich der große Saphir wird aus Kostengründen nicht echt sein.

Am 14. Februar kehrt die Krone auf den Domberg zurück und wird dort für drei Tage zu sehen sein, bevor sie wieder „unter Verschluss“ kommt. Für die Öffentlichkeit ist sie ab April 2012 mit der offiziellen Eröffnung der Daueraustellung zum Domjubiläum im Diözesanmuseum zu bewundern. Die Heinrichskrone gilt als eine der schönsten Kronen des Mittelalters und die Replik wird ihr in nichts nachstehen.